Hat Ihnen Ihr Arzt oder Psychotherapeut eine Körpertherapie empfohlen? Oder sind Sie aus eigenem Interesse auf das Thema gestoßen? Vielleicht weil Sie unter psychosomatisch bedingten Störungen leiden oder das Gefühl haben „nur noch im Kopf zu sein“? Oder suchen Sie Hilfe wegen einer Schmerzerkrankung, für die sich keine eindeutig organischen Ursachen finden lassen?
Die Gründe, wegen derer sich immer mehr Menschen einen „gefühlvolleren“ Zugang mit ihrem Körper wünschen, sind vielfältig. Lange Zeit hielt man Gefühle für eine reine „Privatangelegenheit“. Doch allmählich gewinnt die Erkenntnis immer mehr an Bedeutung, dass unsere Gefühle auch all unsere Entscheidungen in den beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen steuern. Unterschiedliche Forschungsrichtungen, wie z. B. die Neurobiologie oder die moderne Emotions- und Gedächtnisforschung haben in den letzten beiden Jahrzehnten das Wechselspiel zwischen Körper, Psyche und sozialem Erleben immer deutlicher werden lassen.

Eines der Forschungsergebnisse ist das Wissen um das „implizite Gedächtnis“ eines jeden Menschen. In ihm sind die frühesten Beziehungserfahrungen gespeichert. Sie beeinflussen das Denken, Fühlen und Handeln bis in die Gegenwart. Gerade das Körpererleben kann die Annäherung an die Inhalte des impliziten Gedächtnisses erleichtern und so zu einem bewussteren Umgang mit sich selbst und anderen Menschen führen. Probleme und auch körperliche Beschwerden können neu verstanden werden. Das mindert die Angst, fördert unerkannte Ressourcen zu Tage und lässt die Zuversicht wachsen, Probleme lösen zu können.

Seit Jahrzehnten sind körperorientierte Therapieverfahren fest im Behandlungskonzept psychosomatischer Kliniken verankert. Auch in der ambulanten Behandlung werden die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit verschiedener Psychotherapieansätze immer häufiger genutzt. Körpertherapeutische Verfahren haben eine lange Tradition und basieren in ihrer Weiterentwicklung auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Ein seit 1958 im klinischen Bereich weit verbreitetes und geschätztes Körpertherapieverfahren ist die Konzentrative Bewegungstherapie (KBT). In ganz Deutschland arbeiten Therapeutinnen und Therapeuten für Konzentrative Bewegungstherapie auch in ambulanten Praxen, in sozialen Einrichtungen und in der Prävention mit Erwachsenen und Kindern.

In der KBT werden Wahrnehmung und Bewegung als Grundlage des Denkens, Fühlens und Handelns diagnostisch und therapeutisch genutzt. Die Theorie der Methode basiert auf der Psychoanalyse, der Entwicklungspsychologie und der Lerntheorie. Die therapeutische Arbeit besteht aus einem Handlungsteil, in dem die Selbstwahrnehmung, die Beziehung zum umgebenden Raum und zur Zeit angeregt wird. Eine Besonderheit der KBT ist die Arbeit mit Symbolen, die die Fähigkeit fördert, bisher nicht in Worte fassbare Gefühle differenzieren und mitteilen zu können. Die gewonnenen Erkenntnisse können durch ein „Handeln auf Probe“ Selbstvertrauen und Handlungskompetenz stärken und spielerisch oft verblüffende neue Lösungswege aufzeigen.